Passau braucht eine neue Wirtschafts- und Standortstrategie 2035

Status
An Verwaltung übermittelt
Antragsteller
FDP-Fraktion
Kategorie
Antrag
Gremium
Ausschuss für Wirtschaft, Marketing und Arbeit
Themenbereich
Wirtschaft, Arbeit, Internationales
An Verwaltung übermittelt:
13. Mai 2026
Antwort von Verwaltung erhalten:
Beratung im Ausschuss
Beratung im Plenum

Die jüngsten wirtschaftlichen Kennzahlen und regionalen Vergleichsstudien zeigen eine besorgniserregende Entwicklung für den Wirtschafts- und Arbeitsstandort Passau. Die Stadt steht im Wettbewerb mit vergleichbaren Mittelstädten zunehmend unter Druck.

Nach Berichten der Passauer Neuen Presse vom 12. Mai 2026 ist die Stadt Passau im aktuellen Regionalranking von IW Consult um 130 Plätze zurückgefallen und liegt nur noch auf Rang 173 von 400 untersuchten kreisfreien Städten und Landkreisen. Bewertet wurden unter anderem Kaufkraft, Arbeitsmarkt, Steuerkraft, Wirtschaftsstruktur und Lebensqualität.

Besonders alarmierend ist dabei die Entwicklung bei Kaufkraft und Arbeitsmarkt:

  • Laut IW-Kaufkraftstudie liegt die Stadt Passau mit einem Pro-Kopf-Einkommen von lediglich 26.409 Euro auf Rang 345 bundesweit und damit deutlich hinter anderen niederbayerischen Regionen.
  • Die Arbeitslosenquote der Stadt Passau liegt seit Monaten dauerhaft bei rund 7 Prozent und damit erheblich über dem niederbayerischen Durchschnitt von etwa 4,2 Prozent.
  • Gegenüber dem Vorjahr hat sich die Lage zusätzlich verschlechtert.
  • Gleichzeitig entwickeln sich andere niederbayerische Städte wie Landshut oder Straubing deutlich stabiler und dynamischer.

Diese Entwicklung darf nicht länger ignoriert werden. Passau benötigt eine umfassende wirtschafts- und standortpolitische Neuausrichtung.

Strukturelle Ursachen offen diskutieren

Die Ursachen für diese Entwicklung müssen offen analysiert werden. Dabei stellen sich insbesondere folgende Fragen:

  • Wurden über Jahre hinweg zu wenige neue Gewerbe- und Wohnbauflächen ausgewiesen?
  • Fehlen der Stadt verfügbare Entwicklungsflächen für Unternehmen und qualifizierte Arbeitsplätze?
  • Ist die Wirtschaftsstruktur mit einem hohen Anteil an kleinteiligen Dienstleistungen, studentisch geprägter Nachfrage und saisonabhängiger Beschäftigung zu einseitig?
  • Warum gelingt es Passau trotz Universität bislang nur unzureichend, akademische Fachkräfte dauerhaft in der Region zu halten?
  • Weshalb entstehen im Umfeld der Universität zu wenige wachstumsstarke Unternehmen und hochwertige Arbeitsplätze?
  • Welche Defizite bestehen bei Ansiedlungspolitik, Innovationsförderung und Standortmarketing?

Auch die Entwicklung des Einzelhandels wirft Fragen auf. Das 2021 beschlossene Einzelhandels- und Zentrenkonzept zeigt bislang keine erkennbaren positiven Strukturwirkungen. Beispielhaft steht hierfür die seit Jahren leerstehende ehemalige real-Immobilie an der Steinbachstraße.

Der Oberbürgermeister und die Stadtverwaltung werden beauftragt, dem Stadtrat bis spätestens Frühjahr 2027 eine integrierte Wirtschafts- und Standortstrategie „Passau 2035“ vorzulegen.

Diese Strategie soll insbesondere folgende Bereiche umfassen:

  1. Gewerbe- und Wohnflächenentwicklung
  • Identifikation neuer Entwicklungsflächen für Gewerbe, Handwerk, technologieorientierte Unternehmen und Wohnen
  • Priorisierung verfügbarer Flächen
  • Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren
  • interkommunale Kooperationen im Wirtschaftsraum Passau
  1. Arbeitsplätze und Fachkräfte
  • Strategien zur Schaffung qualifizierter Arbeitsplätze für Absolventinnen und Absolventen der Universität Passau
  • gezielte Ansprache wissensintensiver Branchen
  • Entwicklung eines Fachkräfte- und Rückkehrermanagements
  1. Zusammenarbeit mit der Universität Passau
  • Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen Stadt, Universität und regionaler Wirtschaft
  • Aufbau eines dauerhaften Innovations- und Transfernetzwerks
  • bessere Nutzung universitärer Forschungspotentiale für Unternehmensgründungen und Ansiedlungen
  1. Gründer- und Innovationsstandort
  • Evaluierung der bisherigen Gründerstrategie
  • Weiterentwicklung des digitalen Gründerzentrums zu einem sichtbaren Innovationsmotor
  • stärkere Vernetzung mit Investoren, Unternehmen und internationalen Netzwerken
  1. Internationale Positionierung Passaus
  • Entwicklung einer Strategie zur Positionierung Passaus als europäisch geprägter Donauraum-Standort
  • Nutzung des Alumni-Netzwerks der Universität zur Ansiedlung internationaler Organisationen, Einrichtungen und Projekte
  • Ausbau der Rolle Passaus als Standort für internationale Kooperationen, Forschung, Verwaltung und Non-Profit-Organisationen
  1. Einzelhandel und Innenstadtentwicklung
  • Evaluierung des bestehenden Einzelhandels- und Zentrenkonzepts
  • Entwicklung neuer Nutzungs- und Revitalisierungskonzepte für großflächige Leerstände
  • stärkere Verbindung von Innenstadt, Wohnen, Kultur, Gastronomie und Dienstleistungen

Passau verfügt über erhebliche Potentiale:

  • eine international renommierte Universität,
  • hohe Lebensqualität,
  • die Lage im Dreiländereck,
  • touristische Attraktivität,
  • sowie eine starke Identität als Kultur- und Bildungsstadt.

Diese Stärken müssen jedoch konsequenter in wirtschaftliche Dynamik, hochwertige Arbeitsplätze und Zukunftsinvestitionen übersetzt werden.

Der Wettbewerb der Städte um Unternehmen, Talente und Investitionen wird in den kommenden Jahren deutlich intensiver werden. Passau darf sich nicht auf seiner Attraktivität ausruhen, sondern benötigt eine aktive und langfristig angelegte Standortpolitik.

Ziel muss es sein, Passau wieder zu einem dynamischen Wirtschafts-, Innovations- und Lebensstandort mit überregionaler Strahlkraft zu entwickeln.

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