Die jüngsten wirtschaftlichen Kennzahlen und regionalen Vergleichsstudien zeigen eine besorgniserregende Entwicklung für den Wirtschafts- und Arbeitsstandort Passau. Die Stadt steht im Wettbewerb mit vergleichbaren Mittelstädten zunehmend unter Druck.
Nach Berichten der Passauer Neuen Presse vom 12. Mai 2026 ist die Stadt Passau im aktuellen Regionalranking von IW Consult um 130 Plätze zurückgefallen und liegt nur noch auf Rang 173 von 400 untersuchten kreisfreien Städten und Landkreisen. Bewertet wurden unter anderem Kaufkraft, Arbeitsmarkt, Steuerkraft, Wirtschaftsstruktur und Lebensqualität.
Besonders alarmierend ist dabei die Entwicklung bei Kaufkraft und Arbeitsmarkt:
- Laut IW-Kaufkraftstudie liegt die Stadt Passau mit einem Pro-Kopf-Einkommen von lediglich 26.409 Euro auf Rang 345 bundesweit und damit deutlich hinter anderen niederbayerischen Regionen.
- Die Arbeitslosenquote der Stadt Passau liegt seit Monaten dauerhaft bei rund 7 Prozent und damit erheblich über dem niederbayerischen Durchschnitt von etwa 4,2 Prozent.
- Gegenüber dem Vorjahr hat sich die Lage zusätzlich verschlechtert.
- Gleichzeitig entwickeln sich andere niederbayerische Städte wie Landshut oder Straubing deutlich stabiler und dynamischer.
Diese Entwicklung darf nicht länger ignoriert werden. Passau benötigt eine umfassende wirtschafts- und standortpolitische Neuausrichtung.
Strukturelle Ursachen offen diskutieren
Die Ursachen für diese Entwicklung müssen offen analysiert werden. Dabei stellen sich insbesondere folgende Fragen:
- Wurden über Jahre hinweg zu wenige neue Gewerbe- und Wohnbauflächen ausgewiesen?
- Fehlen der Stadt verfügbare Entwicklungsflächen für Unternehmen und qualifizierte Arbeitsplätze?
- Ist die Wirtschaftsstruktur mit einem hohen Anteil an kleinteiligen Dienstleistungen, studentisch geprägter Nachfrage und saisonabhängiger Beschäftigung zu einseitig?
- Warum gelingt es Passau trotz Universität bislang nur unzureichend, akademische Fachkräfte dauerhaft in der Region zu halten?
- Weshalb entstehen im Umfeld der Universität zu wenige wachstumsstarke Unternehmen und hochwertige Arbeitsplätze?
- Welche Defizite bestehen bei Ansiedlungspolitik, Innovationsförderung und Standortmarketing?
Auch die Entwicklung des Einzelhandels wirft Fragen auf. Das 2021 beschlossene Einzelhandels- und Zentrenkonzept zeigt bislang keine erkennbaren positiven Strukturwirkungen. Beispielhaft steht hierfür die seit Jahren leerstehende ehemalige real-Immobilie an der Steinbachstraße.

Das ist ein Testkommentar