Mit sechs Gegenstimmen von FDP und Linken hat der Passauer Stadtrat am Montag den Weg für Rückbau und Ersatzneubau der Hängebrücke freigemacht. Die FDP-Fraktion zeigt sich entsetzt über das Verfahren: Die geänderte Beschlussvorlage lag erst in der Sitzung als Tischvorlage vor, die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie wurden präsentiert, und unmittelbar danach sollte der Stadtrat über eine Entscheidung in Millionenhöhe abstimmen.
„Bei einer so tragenden und endgültigen Entscheidung wie dem Abriss eines Passauer Wahrzeichens erwarte ich mehr als eine Präsentation und eine Abstimmung im selben Atemzug“, sagt Sebastian Frankenberger, stellvertretender Fraktionsvorsitzender. Er hatte beantragt, den Tagesordnungspunkt in das nächste Sonderplenum zu vertagen, der Antrag fand jedoch keine Mehrheit. „Man hätte die Ergebnisse den Passauerinnen und Passauern in einer öffentlichen Veranstaltung vorstellen, ihre Meinungen einholen und erst dann entscheiden können. So geht man nicht mit einem ehrwürdigen Passauer Denkmal um, und so geht man auch nicht mit den Bürgerinnen und Bürgern um“, so Frankenberger.
Fraktionsvorsitzender Prof. Dr. Holm Putzke stellt die Eile grundsätzlich in Frage. Die Brücke ist seit März 2025 für schwere Fahrzeuge gesperrt, eine provisorische Fuß- und Radbrücke soll ohnehin geplant werden. „Niemand konnte erklären, warum es bei einer Grundsatzentscheidung über einen Abriss auf ein oder zwei Monate ankommen soll“, sagt Putzke. „Wer über Millionen entscheidet, sollte sich wenigstens die Zeit nehmen, Alternativen ernsthaft zu prüfen.“
Genau diese Diskussion hätte sich die FDP-Fraktion gewünscht. Wenn sich eine Sanierung für den bisherigen Verkehr nicht rechnet, ist das aus ihrer Sicht kein Schlusspunkt, sondern die Chance, die Altstadt neu zu denken. Statt einer isolierten Brückenentscheidung hätte man über ein größeres Verkehrskonzept sprechen können. Eine Vision, die die Fraktion offen zur Diskussion stellen möchte: eine verkehrsberuhigte Altstadt, in der ab dem Kreisverkehr an der Schanzlbrücke nur noch Anliegerverkehr fährt. Domplatz, Residenzplatz und Fritz-Schäffer-Promenade könnten so zu ruhigen Räumen für Bewohner, Gäste und den Handel werden.
Für eine solche Altstadt bräuchte es keine Schwerlastbrücke, sondern vielleicht eine reine Fuß- und Radbrücke, wie es sie in Wernstein gibt. „Vielleicht kann genau dafür die bestehende Hängebrücke erhalten werden. Busse fahren ohnehin schon seit März 2025 nicht mehr darüber“, sagt Prof. Georg Steiner, stellvertretender Fraktionsvorsitzender. „Das Geld, das ein schlankeres Bauwerk spart, könnte in einen besseren Nahverkehr fließen: ein Altstadtbus im 15-Minuten-Takt, durchgehend von 6 bis 22 Uhr, im besten Fall sogar kostenlos. Über solche Ideen sollten wir offen reden, bevor Fakten geschaffen werden.“
Über die konkrete Neubauvariante soll in einem gesonderten Stadtratsplenum entschieden werden. Die FDP-Fraktion kündigt an, bis dahin am Thema dranzubleiben, Ideen wie diese zur Diskussion zu stellen und auf eine echte Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger zu drängen. „Das letzte Wort über die Zukunft der Hängebrücke sollten die Passauerinnen und Passauer haben“, sagt Frankenberger.

