Demokratie lebt von Beteiligung und Begegnung. Steigende Politik- und Demokratieverdrossenheit ist eine Herausforderung, der man nicht allein mit Abwehr und Gegenprotest begegnen kann, sondern vor allem mit attraktiven, sichtbaren Angeboten, die Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammenbringen und das Vertrauen in den demokratischen Rechtsstaat stärken.
Passau ist hier nicht bei null: Mit der „Initiative Wochen zur Demokratie" besteht ein gemeinnütziger, ehrenamtlich getragener Verein, der seit Jahren ein breit aufgestelltes Festival mit Diskussionen, Workshops, Lesungen und Faktencheck-Formaten organisiert und ein außergewöhnlich breites Bündnis bündelt. Die Stadt fördert die Initiative bereits. Dieses bürgerschaftliche Engagement zu stärken und sichtbarer zu machen, ist wirksamer und sparsamer, als Paralleles neu zu erfinden.
Die inhaltliche Stoßrichtung – Schwerpunkt Integration – ist bewusst gewählt. Die Migrationsforschung, etwa die Arbeiten von Judith Kohlenberger (WU Wien), zeigt: Der Versuch, extremen Kräften durch Übernahme ihrer Positionen das Wasser abzugraben, stärkt diese eher, als sie zu schwächen. Tragfähig ist demgegenüber strukturelle Integration – früher und realer Zugang zu Sprache, Bildung, Arbeit und Beteiligung – verbunden mit Dialogbereitschaft und der sachlichen Bearbeitung jener sozialen Fragen, die Spaltung befeuern. Genau dort, wo gelingende Integration und Teilhabe organisiert werden, verlieren einfache Feindbilder an Wirkung.
Mit dem Bundesprogramm „Demokratie leben!" steht zudem ein bewährter, kofinanzierter Rahmen bereit. Bundesweit werden über 300 Kommunen im Bereich „Partnerschaften für Demokratie" gefördert; in der Region zählen dazu unter anderem die Stadt Hof sowie die Landkreise Hof, Wunsiedel und Tirschenreuth. Ausdrücklich förderfähig sind Formate wie Demokratiefeste, Bürgerforen und Bildungsangebote – also genau die hier vorgeschlagenen Bausteine.
Als erste konkrete Anwendung des unter Ziffer 4 genannten Grundsatzes ist die FDP-Fraktion parallel mit einer gesonderten Anregung an den Oberbürgermeister herangetreten, am Wochenende des 20./21. Juni 2026 ein erstes öffentliches Begegnungs- und Diskussionsformat zum Thema Integration im Rathaus zu ermöglichen.
Gerade in einem Jahr, in dem in Passau zahlreiche Großveranstaltungen stattfinden und gesellschaftliche Debatten an Schärfe gewinnen, ist ein klares, positives Signal für Offenheit, Zusammenhalt und Rechtsstaatlichkeit ein Gewinn für die gesamte Stadtgesellschaft und ein nachhaltigerer Beitrag als jede rein reaktive Maßnahme.