WM ohne Stadt

FDP-Fraktion sieht vertane Chance für Passau

26.Juni 2026

Die Stadt Passau wird zur laufenden Fußball-Weltmeisterschaft kein eigenes Public-Viewing-Angebot auf den Weg bringen. Auf die Anfrage der FDP-Fraktion in der Fragestunde des Stadtrats erklärte Oberbürgermeister Rother sinngemäß, eine Beteiligung der Stadt sei nicht nötig — es stellten ohnehin genügend Leute einen Fernseher nach draußen. Die FDP-Fraktion hält das für die falsche Antwort und spricht von einer vertanen Chance.

„Natürlich stellt der eine oder andere einen Fernseher in den Garten — aber genau das ist nicht der Punkt“, sagt Fraktionsvorsitzender Prof. Dr. Holm Putzke. „Eine lebendige Stadt fragt nicht, ob etwas auch ohne sie irgendwie passiert. Sie fragt, was sie daraus machen kann. Andere Städte in Niederbayern zeigen, wie es geht: Deggendorf hat eigens Sonderregelungen erlassen und veranstaltet selbst ein Public Viewing vor der Stadthalle. Passau winkt ab. Das ist keine Sparsamkeit, das ist Ideenlosigkeit.“

Die FDP-Fraktion verweist auf das ungenutzte Potenzial konkreter Orte. „Der Rathausinnenhof hätte sich angeboten — Public Viewing und zugleich ein Schaufenster für die Stadt selbst“, so Putzke. „Mit wechselnden Gastronomen oder Foodtrucks, in Kooperation mit dem Eulenspiegel-Festival an der Ortspitze, das ohnehin Halbfinals und Finale auf Leinwand zeigt. Oder am ZOB — einem städtebaulichen Brennpunkt, den man mit einer solchen Bespielung positiv hätte aufladen und in ein Imagekonzept einbinden können. Das wäre kreative, aktive Stadtgestaltung gewesen.“

Prof. Georg Steiner betont den verschenkten Standort- und Marketingeffekt: „Ein zentral bespielter Platz ist nicht nur Fußball. Er ist Frequenz für die Innenstadt, Bühne für lokale Gastronomie und ein Bild von Passau, das nach außen wirkt. Die rechtlichen Möglichkeiten lagen mit der WM-Lärmschutzverordnung bis zum 19. Juli bereit. Wer dieses Werkzeug nicht nutzt, trifft eine aktive Entscheidung gegen Stadtleben.“

Sebastian Frankenberger ergänzt: „Es geht nicht um ein großes, teures Stadtfest. Es geht ums Ermöglichen und ums Zusammenbringen dessen, was an Initiative längst da ist. Wenn die Stadt vorhandene Anträge koordiniert, entsteht mehr als die Summe der Teile — für Gastronomen, für Vereine, für alle, die Passau als lebendige Stadt erleben wollen.“

Die FDP-Fraktion wird das Thema über die WM hinaus zum Anlass nehmen und einen Antrag in den Stadtrat einbringen. Ziel ist, dass die Stadt solche Gelegenheiten künftig proaktiv und kreativ aufgreift — sei es bei Sportgroßereignissen, Festivals oder der Belebung neuralgischer Orte wie des ZOB — und Chancen für Stadtmarketing und Innenstadtbelebung aktiv gestaltet, statt sie dem Zufall zu überlassen.