Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
lieber Andreas,
die Nachricht, dass die Stadt Passau ab Herbst den bislang kostenfreien Messeparkplatz bewirtschaften und damit auch die Badegäste des peb zur Kasse bitten will, stößt bei der FDP-Fraktion auf völliges Unverständnis.
Wir kündigen gegen diesen kurzsichtigen Vorstoß Widerstand an und fordern, die Vorbereitungen für diese Parkgebühr unverzüglich zu stoppen und sicherzustellen, dass Besucher des peb auch künftig in gewohntem Umfang kostenlos parken können.
Die geplante Gebühr ist sachlich falsch, sozial unsensibel und wirtschaftlich kurzsichtig. Sie würde die Attraktivität des peb weiter beschädigen und käme einer verdeckten Erhöhung der Eintrittspreise gleich. Die angekündigten „Sondertarife“ für Badegäste ändern daran nichts. Auch eine ermäßigte Parkgebühr bleibt eine zusätzliche Gebühr.
Die Stadt darf aus einem kommunalen Gesundheits-, Sport- und Familienangebot keine Melkstation machen, an der die Bürger erst am Eingang und anschließend noch einmal auf dem Parkplatz abkassiert werden.
Erst wird die Leistung gekürzt, dann wird der Zugang verteuert
Die geplante Parkgebühr trifft nicht auf ein verbessertes oder ausgeweitetes Angebot. Sie ist vielmehr der nächste Schritt in einer inzwischen kaum noch nachvollziehbaren Kette von Leistungskürzungen im peb.
Gerade erst wurden die Öffnungszeiten des Freibads und des Hallenbads im August deutlich verkürzt. Das Freibad schließt bereits um 20.00 Uhr; schon um 19.30 Uhr müssen die Badegäste das Wasser verlassen. Auch das Hallenbad beendet seinen Betrieb um 20.00 Uhr.
Noch drastischer ist die Entwicklung bei der Saunawelt. Seit Beginn der Freibadsaison am 18. Mai 2026 ist sie nur noch an drei Tagen in der Woche geöffnet: freitags, samstags und sonntags jeweils von 10.00 bis 20.00 Uhr. Bereits um 19.30 Uhr ist Saunaschluss. Von Montag bis Donnerstag bleibt die gesamte Saunalandschaft geschlossen. Die Sauna wurde innerhalb kurzer Zeit von sieben auf nur noch drei Öffnungstage pro Woche zurückgefahren.
Das ist keine geringfügige organisatorische Anpassung, sondern eine massive Einschränkung des Angebots. Berufstätige können die Sauna unter der Woche überhaupt nicht mehr nutzen. Stammgäste verlieren vier von sieben möglichen Besuchstagen.
Gerade bei Saunagästen ist eine zusätzliche Parkgebühr besonders widersinnig. Ein Saunabesuch ist typischerweise auf mehrere Stunden angelegt. Diese Gäste nutzen nicht nur die Saunalandschaft, sondern häufig auch das Hallenbad und die Gastronomie. Sie gehören damit zu den wirtschaftlich besonders wertvollen Besuchern des peb. Wer ihnen zunächst vier Öffnungstage streicht, die verbliebene tägliche Nutzungszeit verkürzt und anschließend auch noch das Parken verteuert, darf sich über sinkende Besucherzahlen und Einnahmen nicht wundern.
Die Stadtwerke können das Angebot nicht fortlaufend verschlechtern und zugleich erwarten, dass die Gäste dafür immer mehr bezahlen. Erst wurden die Saunazeiten massiv reduziert. Dann wurden die Öffnungszeiten von Frei- und Hallenbad verkürzt. Nun soll auch noch das bislang kostenlose Parken entfallen. Das ist keine Attraktivitätssteigerung, sondern ein schleichender Rückbau des peb auf Kosten seiner treuesten Nutzer.
Das fatale Signal lautet: weniger Leistung, weniger Öffnungstage, weniger Nutzungszeit – aber höhere Gesamtkosten für die Gäste. So führt man kein Freizeitbad, das im Wettbewerb mit den Bädern der Region bestehen soll. So verliert man Kunden.
Die Parkgebühr wäre eine Preiserhöhung durch die Hintertür
Eine Eintrittskarte für das Freibad kostet für Erwachsene derzeit 6 Euro, eine Feierabendkarte 4,50 Euro. Schon eine Parkgebühr von 2 Euro würde den Preis eines normalen Besuchs faktisch um ein Drittel erhöhen. Bei der Feierabendkarte läge der Aufschlag sogar bei rund 44 Prozent. Bei einer Gebühr von 3 Euro wären es 50 beziehungsweise knapp 67 Prozent.
Besonders absurd wird es bei regelmäßigen Schwimmern. Wer 100 Mal im Jahr schwimmen geht, müsste bei 2 Euro Parkgebühr zusätzlich 200 Euro bezahlen. Bei 3 Euro wären es 300 Euro.
Das ist keine vernünftige Parkraumbewirtschaftung. Das ist eine massive Verteuerung regelmäßiger sportlicher Betätigung. Gerade diejenigen, die das Bad besonders häufig und damit genau so nutzen, wie es gesundheitspolitisch wünschenswert ist, würden am stärksten belastet.
Der Messeparkplatz ist Teil der Infrastruktur des peb
Das peb liegt nicht in der Altstadt und auch nicht in einem hoch verdichteten Innenstadtbereich, in dem jeder Stellplatz ständig umkämpft wäre. Es liegt im Messe- und Freizeitgelände Kohlbruck. Dieses Areal ist auf die Erreichbarkeit mit dem Auto ausgelegt.
Die lediglich rund 90 Stellplätze unmittelbar am Eingang reichen nicht aus, zumal sie auch von Beschäftigten genutzt werden. Der Messeparkplatz ist deshalb keine luxuriöse Zusatzleistung, sondern ein notwendiger Bestandteil der Erreichbarkeit des Bades.
Das kostenpflichtige Messeparkhaus steht bereits als Alternative zur Verfügung. Wer dort parkt, zahlt als Badegast nach dem bisherigen Modell 2 Euro. Wird nun auch der offene Messeparkplatz gebührenpflichtig, entfällt faktisch die letzte realistische Möglichkeit, das peb ohne zusätzliche Parkkosten zu besuchen. Der Parkplatz darf nicht zur zweiten Kasse des peb werden!
Familien, Senioren und regelmäßige Schwimmer werden besonders getroffen
Parkgebühren belasten nicht alle Badegäste gleichermaßen. Sie treffen vor allem diejenigen, die auf das Auto angewiesen sind:
Familien müssen Kinder, Kinderwagen, Schwimmhilfen, Taschen und Verpflegung transportieren. Ältere Menschen nutzen das Schwimmen häufig als gelenkschonende Form der Bewegung und sind nicht selten nur eingeschränkt mobil. Hinzu kommen Menschen, die aus den äußeren Stadtteilen oder aus dem Landkreis anreisen, Eltern, die ihre Kinder zu Schwimmkursen bringen, Vereinsmitglieder, Trainer sowie Besucher des Hallenbads und der Sauna.
Das peb ist nicht nur ein Freizeitangebot. Es erfüllt Aufgaben der Gesundheitsvorsorge, der Bewegungsförderung, des Schwimmunterrichts und der sozialen Teilhabe. Gerade für viele ältere Stammgäste ist der regelmäßige Badbesuch auch ein wichtiger sozialer Fixpunkt.
Wer ständig von Prävention, Bewegung, Schwimmfähigkeit und gesellschaftlicher Teilhabe spricht, darf diejenigen, die diese Angebote tatsächlich nutzen, nicht anschließend für ihre Anreise bestrafen.
Der Bus ist für viele keine realistische Alternative
Der Hinweis, die Badegäste könnten auf den öffentlichen Nahverkehr umsteigen, geht an der Lebenswirklichkeit vorbei. Aus mehreren Stadtteilen ist das peb nur mit Umstieg und erheblichem Zeitaufwand erreichbar. Für Besucher aus dem Landkreis ist der Stadtbus in vielen Fällen überhaupt keine praktikable Alternative.
Hinzu kommt: Eine einfache Busfahrt kostet für Erwachsene 2,50 Euro. Hin- und Rückfahrt schlagen damit mit 5 Euro zu Buche. Das liegt deutlich über der diskutierten Parkgebühr und teilweise sogar über dem Preis einer Feierabendkarte. Wer glaubt, die Menschen durch eine Parkgebühr zum Busfahren bewegen zu können, muss zunächst ein direktes, häufiges, zeitsparendes und preislich attraktives Angebot schaffen.
Ohne ein solches Angebot wird die Parkgebühr nicht dazu führen, dass die Menschen begeistert in den Bus steigen. Sie wird dazu führen, dass manche seltener schwimmen gehen oder gleich ein anderes Bad anfahren. Im schlechtesten Fall entstehen dadurch sogar zusätzliche Autokilometer.
Andere niederbayerische Bäder zeigen, wie es besser geht
Der Blick auf vergleichbare Bäder in Niederbayern macht deutlich, wie kontraproduktiv der Passauer Vorstoß ist:
Viele niederbayerischen Bäder weisen kostenlose Parkplätze aus, etwa das AQUAtherm in Straubing. Das elypso in Deggendorf hat seine Parkkapazität gerade um 70 überdachte Stellplätze erweitert.
Auch bei den Öffnungszeiten gerät Passau ins Hintertreffen: Das elypso ist täglich bis 22.00 Uhr geöffnet. Das Caprima in Dingolfing bietet in der Sommersaison Öffnungszeiten von 9.00 bis 22.00 Uhr. In Passau endet der Badebetrieb im August dagegen bereits um 19.30 Uhr.
Andere Kommunen begreifen gute Parkmöglichkeiten und kundenfreundliche Öffnungszeiten als Teil eines attraktiven Gesamtangebots. Passau scheint den entgegengesetzten Weg einschlagen zu wollen: kürzere Öffnungszeiten, weniger Nutzungszeit und zusätzliche Kosten.
Das ist keine Strategie zur Stärkung des peb. Das ist eine Einladung an die Badegäste, ihr Geld künftig in Deggendorf, Straubing, Dingolfing, Freyung, Ortenburg oder im Spa Ressort Geinberg auszugeben.
Sollte es tatsächlich ein Problem mit Dauerparkern oder badfremden Nutzern geben, lässt sich dieses ohne Belastung der Badegäste lösen. Denkbar sind beispielsweise eine kostenlose Freischaltung über das Eintrittsticket. Wer Missbrauch verhindern will, muss den Missbrauch begrenzen – und nicht pauschal die Badegäste abkassieren.
Auch wirtschaftlich droht ein Eigentor
Die Stadt würde mit der Parkgebühr möglicherweise geringe zusätzliche Einnahmen erzielen. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass die Stadtwerke Besucher und damit Einnahmen aus Eintritt, Gastronomie und Sauna verlieren.
Was die Stadt auf dem Parkplatz einnimmt, kann bei den eigenen Stadtwerken an anderer Stelle mehrfach verloren gehen. Hinzu kommen die Kosten für technische Anlagen, Zahlungsabwicklung, Kontrolle, Wartung, Beschilderung, Beschwerdebearbeitung und gegebenenfalls Mahnverfahren.
Außerdem ist mit Ausweichverkehr zu rechnen. Autofahrer werden versuchen, kostenlose Stellplätze in der Umgebung, auf benachbarten Gewerbeflächen oder in angrenzenden Straßen zu finden. Das führt zu Parksuchverkehr, Konflikten mit Anliegern und zusätzlicher Verkehrsbelastung. Ein Problem wird damit nicht gelöst, sondern lediglich verlagert.
Ohne ein solches Angebot wird die Parkgebühr nicht dazu führen, dass die Menschen begeistert in den Bus steigen. Sie wird dazu führen, dass manche seltener schwimmen gehen oder gleich ein anderes Bad anfahren. Im schlechtesten Fall entstehen dadurch sogar zusätzliche Autokilometer.
Wir fordern deshalb Folgendes:
- Die Vorbereitungen zur Einführung einer allgemeinen Parkgebühr auf dem Messeparkplatz sind mit sofortiger Wirkung auszusetzen.
- Besucher des peb müssen auch künftig für die Dauer ihres Aufenthalts kostenlos parken können.
- Eine etwaige Parkraumbewirtschaftung darf ausschließlich badfremde Nutzer, Dauerparker und gegebenenfalls besondere Großveranstaltungen erfassen.
- Vor jeder weiteren Entscheidung ist dem Stadtrat ein vollständiges Konzept vorzulegen, das die tatsächliche Parkplatzbelegung, den behaupteten Steuerungsbedarf, sämtliche Investitions- und Betriebskosten, die erwarteten Nettoeinnahmen sowie die voraussichtlichen Auswirkungen auf die Besucherzahlen und die Erlöse des peb darstellt.
- Bis zu einer politischen Beratung dürfen weder Verträge abgeschlossen noch technische Anlagen bestellt oder installiert werden.
Die Stadt sollte alles daransetzen, das peb attraktiver zu machen, seine Besucherzahlen zu steigern und regelmäßige Bewegung zu fördern. Parkgebühren bewirken das Gegenteil.
Die Bürger erwarten zu Recht, dass kommunale Einrichtungen vernünftig, kundenorientiert und mit gesundem Menschenverstand geführt werden. Ein Bad gewinnt keine Gäste, indem man die Öffnungszeiten verkürzt und anschließend auch noch den Weg dorthin verteuert.
Die FDP-Fraktion erwartet deshalb eine klare Korrektur dieses Vorstoßes: Kostenloses Parken für Badegäste muss im jetzigen Umfang erhalten bleiben.
Für die Stadtratsfraktion FDP | Team Putzke:
Prof. Dr. Holm Putzke, Fraktionsvorsitzender
Prof. Georg Steiner, stv. Fraktionsvorsitzender
Sebastian Frankenberger, stv. Fraktionsvorsitzender
