Mit dem Sport ist am Dienstagabend der Drei-Flüsse-Dialog gestartet – ein neues Gesprächsformat, bei dem die drei Stadträte der FDP-Fraktion, Fraktionsvorsitzender Prof. Dr. Holm Putzke, Stellvertreter Prof. Georg Steiner und Sebastian Frankenberger, regelmäßig Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik, Sozialem, Sport, Stadtentwicklung und Kultur an einen Tisch holen. Rund 20 Teilnehmer verfolgten den Auftakt vor Ort und online. Passend zur laufenden Fußball-Weltmeisterschaft ging es um die Frage, was den Sport in Passau ausmacht – und welchen Stellenwert er in Zukunft habe könnte.
Auf dem Podium diskutierten Philipp Roos, Vorsitzender des 1. FC Passau 1911 e.V., und Christian Eder, 1. Vorsitzender des Stadtverbands für Sport Passau. Mit Holm Putzke – Vorsitzender des Bundessport- und Schiedsgerichts von German Cycling, Triathlon-Kampfrichter und mehrfacher Ironman-Finisher – brachte jeder der Gastgeber selbst jahrzehntelange Erfahrung aus dem organisierten Sport ein.
Vereine entlasten statt verwalten
Ein roter Faden zog sich durch den Abend: Die Passauer Vereine leisten Enormes, durchweg ehrenamtlich – verlieren aber zu viel Kraft an Verwaltungsaufgaben. Aus der Runde kam deshalb der Vorschlag einer städtischen Servicestelle für Vereine, die Mitglieder- und Finanzverwaltung, sowie die Vergabe von Sportstätten digital bündelt und den Vorständen den Rücken freihält. Ergänzend wurde ein gemeinsamer Mitgliedsbeitrag für Kinder ins Gespräch gebracht: ein Beitrag, mit dem Kinder mehrere Sportarten ausprobieren können, ohne dass Familien mehrfach zahlen müssen.
„Sport ist Infrastruktur – so wie Straßen und Schulen“, sagte Prof. Georg Steiner. „Wer Vereine stärkt, stärkt den Zusammenhalt in einer Stadt. Und das wirkt bis in jeden einzelnen Stadtteil.“
Förderung: klare Kriterien statt Bauchgefühl
Kritisch diskutiert wurde die Praxis der Sportförderung. Mehrere Diskutanten wünschten sich nachvollziehbare, öffentlich einsehbare Kriterien – bei städtischen Mitteln ebenso wie beim Sponsoring, etwa durch Passauer Geldinstitute. Gerade dort, wo die Stadt dort über die Gremien Mitspracherecht hat, könne sie darauf hinwirken, dass Sportförderung gestärkt und nach klaren Regeln vergeben wird und nicht nach den besten Kontakten. Der Blick auf andere Städte zeige, dass hier Luft nach oben sei; die gleiche Debatte werde auch in der Kulturszene geführt.
„Transparenz kostet nichts“, betonte Holm Putzke. „Wenn klar ist, nach welchen Kriterien gefördert wird, profitieren alle Vereine – und niemand muss sich fragen, warum er leer ausgeht.“
Ein weiterer Punkt: Fördermittel von Bund, Land und EU werden in Passau zu selten abgerufen. Beim Kunstrasenplatz habe es funktioniert – doch das dürfe kein Einzelfall bleiben.
Sportstätten: vom Versprechen zum Projekt
Zur Sprache kam auch die bereits 2019 zugesagte Flutlichtanlage für das Dreiflüssestadion, die bis heute nicht realisiert ist. Das Stadion, so der Tenor, könne weit mehr sein als eine Spielstätte: ein Ort für Turniere, Veranstaltungen und Begegnung. Konkret wurde die Idee eines Sportfests im Dreiflüssestadion gemeinsam mit den Vereinen aus Passaus Partnerstädten – solche Turniere hat es früher schon gegeben, etwa in Krems. Für derartige Formate stehen zudem eigene Fördertöpfe bereit. Als weitere Impulse wurden ein Passauer Marathon eingebracht
„Ideen gibt es in Passau genug, und in der Verwaltung arbeiten viele engagierte Leute“, sagte Sebastian Frankenberger zum Abschluss. „Was fehlt, ist eine klare Richtlinie von oben. Wir brauchen keine Verhinderungsstrukturen, sondern eine Ermöglichungskultur – eine Haltung, die zuerst fragt, wie etwas geht, und nicht, warum es nicht geht. Deshalb wollen wir aus diesem Abend keine Wunschliste machen, sondern Anträge.“
Wie es weitergeht
Aus dem Auftakt nehmen die drei Stadträte mehrere konkrete Vorhaben mit: einen Antrag, der offenlegt, welche Dispositionsmittel des Oberbürgermeisters wofür verwendet werden – nicht nur im Kultur-, sondern auch im Sportausschuss; die Prüfung einer Servicestelle für Vereine; ein Sportfest im Dreiflüssestadion mit den Städtepartnerschaftsvereinen; eine systematische Durchsicht, welche Förderprogramme Passau bislang ungenutzt lässt, und eine Digitalisierung bei der Vergabe von Trainings- und Spielzeiten.
Der Drei-Flüsse-Dialog wird fortgesetzt: ein Abend, ein Thema, ein offener Austausch – grundsätzlich hybrid, vor Ort und online, damit wirklich jede und jeder teilnehmen kann. Das nächste Thema wird in Kürze bekannt gegeben.

