FDP-Fraktion im Stadtrat Passau
Unsere Haltung
Offen für jede gute Lösung, aber kein Hau-Ruck. Und ein Blick über die Brücke hinaus.
Unsere Haltung: offen für jede gute Lösung, aber kein Hau‑Ruck
Wir sagen ehrlich: Wir wissen heute noch nicht, welche Lösung die beste ist. Vielleicht ist am Ende eine gut gestaltete neue Brücke der richtige Weg. Vielleicht der Erhalt der alten Brücke für Fußgänger und Radfahrer, wenn Autos und Busse über andere Wege fahren. Vielleicht etwas, an das bisher noch niemand gedacht hat.
Wogegen wir uns wehren, ist das Verfahren: Am 26. Oktober lag die geänderte Beschlussvorlage erst in der Sitzung auf dem Tisch, die Studie wurde vorgestellt und unmittelbar danach über den Abriss eines Wahrzeichens abgestimmt. Die Denkmalpflege hatte den Abschlussbericht drei Tage vorher bekommen, die Öffentlichkeit kannte nur eine Pressemitteilung. „Man hätte die Ergebnisse den Passauerinnen und Passauern in einer öffentlichen Veranstaltung vorstellen, ihre Meinungen einholen und erst dann entscheiden können“, sagt Sebastian Frankenberger, stellvertretender Fraktionsvorsitzender.
„Niemand konnte erklären, warum es bei einer Grundsatzentscheidung über einen Abriss auf ein oder zwei Monate ankommen soll“, sagt Fraktionsvorsitzender Prof. Dr. Holm Putzke. Die Brücke ist seit März 2025 für schwere Busse gesperrt, eine provisorische Fuß- und Radbrücke soll ohnehin kommen. Zeit für einen echten Dialog ist also da.
- Offen für jedes Ergebnis. Auch ein gut gestalteter Neubau kann die richtige Antwort sein.
- Erst prüfen, dann entscheiden. Alle Fakten und Stellungnahmen gehören auf den Tisch.
- Die Passauer reden mit. Ein Wahrzeichen ist keine Verwaltungssache.
Was wir vor der Entscheidung über die Variante wollen
Alle Möglichkeiten gleich behandeln. Neben den vier Neubauvarianten gehören auch der Erhalt nur für Fuß- und Radverkehr und neue Verkehrsideen nach denselben Maßstäben bewertet: Kosten, Lebensdauer, Förderung, Stadtbild.
Die Denkmalpflege anhören. Die Stellungnahme des Landesamts liegt vor, bevor der Stadtrat über die Gestalt der Brücke entscheidet.
Mit den Bürgerinnen und Bürgern reden. Studie und Visualisierungen werden öffentlich vorgestellt und diskutiert. „Das letzte Wort über die Zukunft der Hängebrücke sollten die Passauerinnen und Passauer haben“, sagt Frankenberger.

Unser Vorschlag einer Parallelbrücke
Im Oktober haben wir beantragt, eine Variante prüfen zu lassen: die alte Hängebrücke für Fußgänger und Radfahrer erhalten und daneben eine schlanke Brücke für Autos und Busse bauen. Diese Idee haben wir bewusst in die Diskussion eingebracht.
Inzwischen wissen wir: Eine Brücke ist nur an der heutigen Stelle möglich, weil nur dort die nötige Höhe über der Donau gegeben ist. Eine zweite Brücke daneben geht also nicht. Das gehört zu einer ehrlichen Debatte dazu.
Worüber wir jetzt noch reden können: wie die Brücke an dieser Stelle aussehen soll, welchen Verkehr sie künftig tragen muss, ob ein Erhalt nur für Fuß- und Radverkehr in Frage kommt und wie ein Verkehrskonzept für Altstadt und Anger aussehen könnte.
Eine Brücke oder ein neues Verkehrskonzept?
Bisher wurde nur gefragt, wie die Brücke den heutigen Verkehr wieder tragen kann. Wir finden: Wenn an dieser Stelle ohnehin für Jahrzehnte neu gebaut wird, ist das die Gelegenheit, eine größere Frage zu stellen. Welchen Verkehr will Passau hier überhaupt haben? Die folgenden Ideen sind keine fertigen Forderungen. Wir wollen sie offen mit dir diskutieren.
Verkehrsberuhigte Altstadt
Ab dem Kreisverkehr an der Schanzlbrücke fahren nur noch Anlieger in die Altstadt. Domplatz, Residenzplatz und Fritz-Schäffer-Promenade werden ruhige Räume für Bewohner, Gäste und Handel. Dann bräuchte es an dieser Stelle vielleicht keine Schwerlastbrücke mehr.
Ein Altstadtbus, der wirklich fährt
„Das Geld, das ein schlankeres Bauwerk spart, könnte in einen besseren Nahverkehr fließen: ein Altstadtbus im 15-Minuten-Takt, durchgehend von 6 bis 22 Uhr, im besten Fall sogar kostenlos“, sagt Prof. Georg Steiner, stellvertretender Fraktionsvorsitzender.
Was ist mit dem Anger?
Am Nordufer trennt die vierspurige B 12 die Ilzstadt und den Fuß des Oberhauses von der Donau. Wer über die Hängebrücke fährt, landet mitten in diesem Verkehr. Jede Entscheidung über die Brücke ist deshalb auch eine Entscheidung über den Anger: Mehr Brücke kann mehr Verkehr bedeuten. Das Forum Passau warnt, dass dann das Linksabbiegeverbot am Brückenkopf fallen und wieder Durchgangsverkehr durch die Altstadt fließen könnte.
Und ein Tunnel?
Ein Tunnel könnte Verkehr unter die Erde legen statt über den Fluss und durch die Altstadt. Ob ein Tunnel technisch, rechtlich und finanziell überhaupt denkbar ist und was er für Anger und Altstadt bedeuten würde, wurde bisher nicht untersucht. Wir finden, die Frage darf gestellt werden, bevor man sich für Jahrzehnte festlegt.
Eine neue Brücke bei Achleiten?
Eine zusätzliche Donauquerung weiter östlich bei Achleiten könnte Verkehr zwischen Nordufer und Innstadt aufnehmen, ohne dass er durch die Altstadt muss. Auch das ist bisher nur eine Frage, keine Planung. Was würde das kosten, wer würde es fördern, wem würde es nützen?
Deine Idee?
Vielleicht hast du einen Gedanken, auf den noch niemand gekommen ist. Genau dafür machen wir diesen Dialog.
Was andere sagen
Zu einer ehrlichen Debatte gehören auch die Argumente der anderen Seite.
Stadtverwaltung und Oberbürgermeister
Ein Erhalt würde praktisch einem Neubau gleichkommen: neue Seile, neue Verankerungen, ein neues Brückendeck und dabei ein großer Verlust an historischer Substanz. Trotzdem bliebe die Restlebensdauer begrenzt und eine Förderung durch die Regierung von Niederbayern ist nicht in Aussicht. Ein Neubau soll wieder Busse tragen, Fuß- und Radverkehr verbessern und kann gefördert werden.
Mehrheit im Stadtrat
Die Mehrheit hat dem Grundsatzbeschluss zugestimmt. Ein Argument in der Debatte: Auch eine Verkehrswende braucht eine belastbare Brücke, über die künftig wieder Busse fahren können.
Forum Passau
Der Verein mit rund 260 Mitgliedern fordert, die Brücke rasch als Einzeldenkmal anerkennen zu lassen, wie beim Fünferlsteg. Eine reine Fuß- und Radbrücke hält er für denkbar und warnt: Eine leistungsfähigere neue Brücke könnte wieder mehr Durchgangsverkehr in die Altstadt bringen.
Landesamt für Denkmalpflege
Die Brücke ist Teil des geschützten Ensembles Altstadt, aber kein Einzeldenkmal, weil vom Bau aus dem Jahr 1910 nur noch die Widerlager erhalten sind. Eine Stellungnahme zur Studie hat das Amt angekündigt.
