Hängebrücke Passau
Geschichte
Über 150 Jahre Brücken an dieser Stelle, von 1869 bis heute.
Mehr als eine Verkehrsverbindung
Die Hängebrücke ist eines der Bilder, die man mit Passau verbindet: der Blick vom Oberhaus über die Seile hinweg auf Dom, Altstadt und Donau. Dass sie so leicht wirkt, ist kein Zufall. Schon 1909 haben die Passauerinnen und Passauer eine plumpere Brücke verhindert und eine Konstruktion durchgesetzt, die das Stadtbild schont.
Auch technisch ist sie besonders. Auf der Nordseite gibt es keinen Pylon: Die Tragseile laufen direkt in Kammern im Fels unter der Veste Oberhaus. Der Überbau aus dem Wiederaufbau 1948 ist genietet. Hänger, Querträger und Versteifungsträger sind mit Nieten verbunden, einer Handwerkstechnik, die im Stahlbau nach dem Krieg vom Schweißen und Schrauben abgelöst wurde. Und mit ihrer geringen Durchfahrtshöhe gehört sie zu den niedrigsten Brücken über die Donau.
Genau diese Nietverbindungen sind heute aber auch ein Teil des Problems, wie die Bauwerksprüfung 2026 zeigt.
Ist die Hängebrücke ein Denkmal von besonderem Rang?
Das Landesamt für Denkmalpflege sieht sie als Teil des geschützten Ensembles Altstadt, aber nicht als Einzeldenkmal, weil vom Bau von 1911 nur die Widerlager erhalten sind. Das Forum Passau sieht das anders und verweist auf den Fünferlsteg, der als Einzeldenkmal geschützt ist.
Wir meinen: Ein Bauwerk, das seit über 75 Jahren das Bild der Altstadt prägt, das die Passauer selbst durchgesetzt und nach dem Krieg wieder aufgebaut haben, verdient eine gründliche Prüfung, bevor es verschwindet. Die Stellungnahme des Landesamts steht noch aus. Sie sollte vorliegen, bevor über die Zukunft der Brücke endgültig entschieden wird.
Zeitleiste: die Hängebrücke und ihre Geschichte
Wie die Brücke entstanden ist, was sie überstanden hat und was der Stadtrat seither entschieden hat, mit Links zu den Originalquellen. GeschichteStadtStadtratFDP-FraktionMedien und Initiativen
- Geschichte eines Wahrzeichens
Über 150 Jahre Brücken an dieser Stelle
- 1869Geschichte
Der Kettensteg
Ein privater Steg mit Brückenzoll verbindet erstmals die Altstadt mit dem nördlichen Donauufer, rund 100 Meter flussabwärts der heutigen Brücke. Um 1900 sind seine Drahtseile stark verrostet, ein Ersatz muss her.
- 1909 bis 1910Geschichte
Passauer setzen eine schönere Brücke durch
Geplant war zunächst eine billige Brücke mit hohen eisernen Sichelträgern. Die Passauerinnen und Passauer protestieren, weil sie ihr Stadtbild bedroht sehen. Gebaut wird stattdessen eine aufwendigere, filigrane Hängebrücke, deren Seile die Sicht auf Altstadt und Oberhaus kaum verstellen. Montiert wird sie von einer schwimmenden Plattform aus.
- 1911Geschichte
Die Prinzregent-Luitpold-Brücke wird eingeweiht
Benannt nach Prinzregent Luitpold von Bayern. Zwei Stahlseile von je rund 25 Zentimetern Stärke tragen die Fahrbahn, verankert auf der Nordseite direkt in der Felswand unter der Veste Oberhaus. Gesamtlänge 208 Meter, Stützweite 126 Meter.
- 2. Mai 1945Geschichte
Gesprengt kurz vor Kriegsende
Kurz vor dem Einmarsch amerikanischer Truppen wird die Brücke teilweise gesprengt.
- 1948Geschichte
Wiederaufbau aus eigener Kraft
Auf den alten Widerlagern und Verankerungsschächten entsteht die heutige Brücke. Maßgeblich beteiligt ist der Ingenieur Rudolf Barbré. Bezahlt wird sie mit Spenden und Geld der bayerischen Ministerien. Am 17. August 1948 wird sie für den Verkehr freigegeben. Die Tragseile und der genietete Stahlüberbau stammen aus dieser Zeit.
- 1972Geschichte
Platz für die Bundesstraße
Für den vierspurigen Ausbau der B 12 am Anger wird der Überbau auf der Nordseite verkürzt und mit einem Beton-Kragträger angeschlossen.
- Tunnel, Sanierung, Verkehr
Was der Stadtrat zwischen 2013 und 2023 entschieden hat
- 28. April 2013Bürgerentscheid
Passau stimmt über einen Tunnel an der Hängebrücke ab
Ein Bürgerbegehren wendet sich gegen einen Fuß- und Radtunnel durch den Georgsberg. Der Stadtrat stellt ein Ratsbegehren dagegen, das den Tunnel auch als Voraussetzung für eine Linksabbiegespur zur Hängebrücke sieht. 10.273 Passauerinnen und Passauer stimmen ab: Das Bürgerbegehren gewinnt mit 72,8 Prozent, das Ratsbegehren scheitert. Der Tunnel wird vorerst nicht gebaut.
- 10. November 2016Bauausschuss
Grundsatzbeschluss: Die Brücke wird saniert
Der Bauausschuss beschließt einstimmig, die Sanierung auszuschreiben und 2017 durchzuführen. Die Ingenieurleistungen gehen an das Büro Bulicek + Ingenieure aus Passau.
- 3. April 2017Stadtrat
Bauauftrag für die Sanierung
Der Stadtrat vergibt die Bauarbeiten einstimmig für rund 2,33 Mio. Euro an die Firma Rädlinger aus Windorf. Geplant ist eine Bauzeit von April bis Oktober 2017, die Brücke wird dafür gesperrt.
- 2017 bis 2018Stadt
Die Sanierung wird größer als gedacht
Erst nach Baubeginn zeigen sich das ganze Ausmaß der Korrosion und ein bleihaltiger Altanstrich. Der Stadtrat muss zweimal Nachträge beschließen (Dezember 2017 und November 2018), die Arbeiten ziehen sich bis 2018. Erneuert werden Korrosionsschutz und Fahrbahn, laut Stadt für insgesamt 4,3 Mio. Euro. Die Tragseile bleiben, eine Verstärkung war wegen der Bauweise nicht möglich.
Nachträge 2017 · Nachträge 2018 · Bericht im Rechnungsprüfungsausschuss · Pressemitteilung der Stadt
- 26. Juni 2018Verkehrsausschuss
Neue Verkehrsführung nach der Sanierung
Auf einen gemeinsamen Antrag von FWG, SPD, ÖDP, Grünen, Passauer Liste und Starkes Passau/FDP prüft die Verwaltung Alternativen. Ergebnis, einstimmig beschlossen: Vom Anger dürfen nur noch Linienbusse auf die Brücke, von der Altstadt aus bleibt sie offen. Radfahrer bekommen eine Spur zum indirekten Linksabbiegen, bei Hochwasser ist die Altstadt auch über die Brücke erreichbar.
- 2019Verkehrsausschuss
Anträge zu Autos und Rädern auf der Brücke
Ein Antrag, Autos wieder in beide Richtungen fahren zu lassen, wird im Mai einstimmig abgelehnt. Der Vorschlag, den östlichen Gehweg für Radfahrer freizugeben, scheitert vorerst an der nötigen Geländererhöhung und wird im September als Punkt ins Radverkehrskonzept übernommen.
- 2019 bis 2023Stadtrat
Der Radtunnel kommt doch
Über einen Bürgerantrag wird die Planung des Fuß- und Radtunnels durch den Georgsberg 2019 wieder aufgenommen. Im Mai 2023 beantragt die Passauer Liste, mögliche Auswirkungen auf die nahe Seilverankerung der Hängebrücke zu untersuchen. Beschluss: Die Bauarbeiten werden eng von Fachbüros begleitet, neue Erkenntnisse kommen sofort in den Stadtrat.
- Die aktuelle Debatte
Von der Gewichtsbeschränkung bis zum Grundsatzbeschluss
- Anfang 2025Stadt
Statische Nachrechnung wird nötig
Bei der Prüfung der Gewichtszulassung zeigt sich: Voll besetzte Stadtbusse überschreiten 16 Tonnen.
- 1. März 2025Stadt
Gesperrt für schwere Busse
Busse über 16 Tonnen dürfen nicht mehr über die Brücke. Die Stadtbuslinien werden über den Anger umgeleitet.
- 24. März 2025Stadtrat
Sachstandsbericht im Stadtrat
Die Verwaltung berichtet öffentlich über Bauwerksdaten, Seilprüfung, Sperrung und Nachrechnung.
- 1. August 2025Stadt
Nur noch 3,5 Tonnen
Zwischenergebnis der Nachrechnung: Bis zum Endergebnis gilt eine Grenze von 3,5 Tonnen. Rettungsfahrzeuge dürfen in Einzelfahrt weiter queren.
- 14. November 2025Stadt
Seiltausch oder Neubau
Die Tragseile gelten als Schwachstelle, ihr Inneres lässt sich nicht zuverlässig prüfen. Das Ingenieurbüro GRASSL empfiehlt, sie kurzfristig zu erneuern. Die Stadt kündigt eine Studie an.
- 14. November 2025Holm Putzke
Anfrage: Hängepartie Hängebrücke
Nach der nichtöffentlichen Sondersitzung vom 13. November fragt Stadtrat Holm Putzke den Oberbürgermeister, wie die Altstadt ohne große Busse erreichbar bleiben soll, und fordert einen „Notfallplan Altstadt“ mit Mobilitätskonzept für Schulen, Ältere und Geschäfte.
- 17. November 2025Finanzausschuss
Kleinbus für die Altstadt
Auf Antrag der SPD-Fraktion stellt der Finanzausschuss 100.000 Euro bereit: Eine Kleinbuslinie ersetzt den ausfallenden Citybus, zusätzlich mit Halt an der Salvatorkirche. Sie läuft zunächst bis 30. Juni 2026 und soll dann bewertet werden.
- 16. Januar 2026Holm Putzke
Antrag: Die Brücke laufend messen statt nur prüfen
Holm Putzke beantragt zu prüfen, ob die Hängebrücke mit Sensoren dauerhaft überwacht werden kann, gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut IIS und der Universität Passau. Die Daten sollen helfen, zwischen Seiltausch und Neubau fundiert zu entscheiden. Im Ratsinfo ist bisher keine öffentliche Behandlung dokumentiert.
- März 2026Stadt
Machbarkeitsstudie wird vergeben
Die Verwaltung beauftragt am 2. März das Ingenieurbüro schlaich bergermann partner (sbp) aus Stuttgart, als Eilentscheidung des damaligen Oberbürgermeisters und ohne Ausschreibung. Der Bauausschuss nimmt das am 25. März zur Kenntnis.
- 3. Oktober 2026FDP-Fraktion
Antrag: Radweg an der Brücke besser ausschildern
Klare Wegweisung und Markierung vom Brückenkopf zum Donauradweg Richtung Obernzell und Linz.
- 16. Oktober 2026Stadt
Studie empfiehlt Abriss und Neubau
Die Stadt veröffentlicht die Kernergebnisse: Erhalt rund 31,5 Mio. Euro, empfohlener Neubau rund 36,2 Mio. Euro.
- 18. Oktober 2026FDP-Fraktion
Antrag: Hängebrücke erhalten, Parallelbrücke prüfen
Die Fraktion beantragt, die Hängebrücke für Fuß- und Radverkehr zu erhalten und eine schlanke Parallelbrücke für Autos und Busse prüfen zu lassen. Inzwischen wissen wir: Eine Brücke ist nur an der heutigen Stelle möglich, weil nur dort die nötige Höhe über der Donau gegeben ist.
- 23. Oktober 2026Medien
Denkmalpflege erhält erstmals den Bericht
Laut Landesamt für Denkmalpflege schickt die Stadt ihm an diesem Freitag zum ersten Mal den Abschlussbericht der Studie. Die Beschlussvorlage kannte das Amt nicht.
- 26. Oktober 2026Stadtrat
Grundsatzbeschluss: Rückbau und Neubau
Nach Vortrag des Ingenieurbüros beschließt der Stadtrat mit einer kurzfristig geänderten Vorlage die Planung von Rückbau, Neubau an gleicher Stelle und provisorischer Fuß- und Radbrücke. Die Variante bleibt offen. Der Antrag von Sebastian Frankenberger, die Entscheidung zu vertagen, findet keine Mehrheit. 6 Gegenstimmen von FDP und Linken.
Sitzung im Ratsinfo · Pressemitteilung der FDP-Fraktion · Bürgerblick · Oldiewelle
- 26. Oktober 2026Initiativen
Forum Passau fordert Erhalt als Denkmal
Der Verein Forum Passau will die Brücke als Einzeldenkmal anerkennen lassen und hält auch eine reine Fuß- und Radbrücke für denkbar.
- 22. bis 27. November 2026geplant
Drei-Flüsse-Dialog zur Hängebrücke
Öffentlicher Abend mit Fakten, Positionen und deinen Fragen. Den genauen Tag und den Ort geben wir in Kürze bekannt.
- 7. Dezember 2026angekündigt
Sondersitzung: Welche Brücke kommt?
Laut Medienberichten soll der Stadtrat an diesem Tag über die Neubauvariante entscheiden. Eine amtliche Einladung gibt es noch nicht.
