Blaualgen statt Badevergnügen – wer schützt unsere Flüsse?

Status
Zur Diskussion in Ausschuss verwiesen
Antragsteller

anonym

Kategorie
Bürger Idee
Gremium
Ausschuss für Klima und Umwelt
Themenbereich
Gesundheit, Familien, Pflege, Leben im Alter, Umwelt, Lebensqualität, Inklusion, Soziales
An Verwaltung übermittelt:
23. August 2026
Antwort von Verwaltung erhalten:
8. September 2026
Beratung im Ausschuss
Beratung im Plenum
Drucksache (Ratsinfo):

Update vom 23. August 2026: Die FDP-Fraktion hat dieses Bürgeranliegen aufgegriffen und als Antrag an Oberbürgermeister Andreas Rother übermittelt. Beantragt werden ein Sachstandsbericht zur Wasserqualität der Ilz, ein technischer Bericht der Stadtwerke zum Stausee Oberilzmühle, ein Runder Tisch bis Ende Oktober 2026, die Prüfung kommunaler Handlungsmöglichkeiten und eine bessere öffentliche Information bei Blaualgenwarnungen. Die PNP hat am 25. August darüber berichtet: Blaualgen den Kampf ansagen.

Die Wasserqualität unserer Flüsse und natürlichen Badegewässer hat sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verschlechtert. Früher war die Ilz für ihre außergewöhnlich gute Wasserqualität bekannt. Viele ältere Passauer *innen erinnern sich noch daran, dass man bis auf den Grund sehen, unbeschwert baden und sogar Muscheln sammeln konnte. Heute kommt es fast jeden Sommer wochenlang zu Blaualgenwarnungen und Badeverboten. Derzeit ja auch wieder an der Oberilzmühle. Dieser Zustand ist erschreckenderweise bereits Normalität geworden.

Das Problem betrifft nicht nur die Ilz. Auch an der Donau, beispielsweise vor zwei Wochen bei Kelheim, sowie diese Woche an dem Badesee in Bad Birnbach kommt es regelmäßig zu Blaualgenwarnungen. Das zeigt, dass die Wasserqualität vieler natürlicher Badegewässer zunehmend unter Druck gerät.

Mir ist bewusst, dass die Stadt Passau die Ursachen nicht allein beseitigen kann und als mir gesagt wurde, dass man da als Stadtrat eigentlich nichts machen kann, wollte ich das Thema schon fast ruhen lassen, aber wer soll sich darum kümmern, wenn nicht die Bürger *innen, beziehungsweise ihre gewählten Vertreter?
Ich wünsche mir, dass sie das Thema gemeinsam mit den zuständigen Behörden und den Nachbargemeinden stärker vorantreiben und wirklich alle Möglichkeiten ausschöpfen, um die Wasserqualität langfristig zu verbessern.

Wenn niemand aktiv wird, wird es mit Sicherheit noch weitaus schlimmer werden.

Saubere Flüsse sind nicht nur ein Gewinn für Natur und Umwelt, sondern auch für die Lebensqualität der Menschen und den Tourismus. Passau wirbt als Dreiflüssestadt – umso wichtiger ist es, dass Einheimische und Gäste unsere Flüsse als saubere, attraktive Gewässer erleben können, darum sollte man doch bei einem Spaziergang z.B. in der Oberilzmühle nicht Algenteppiche und tote, am Rand treibende Fische sehen…

Ich wünsche mir deshalb, dass der Schutz und die Verbesserung der Wasserqualität unserer Flüsse und natürlichen Badegewässer zu einem festen politischen Anliegen werden und geprüft wird, welche konkreten Maßnahmen die Stadt Passau hierzu anstoßen oder unterstützen kann und falls der Hebel beim Landtag liegt, der die Grenzwerte ändern müsste, sollte man das vielleicht anregen.

Nichts zu machen ist meiner Meinung nach einfach nicht genug und vielleicht findet sich ja doch gemeinsam mit anderen eine Möglichkeit die Wassequalität zu verbessern. Wäre doch schön, wenn die Initiative dafür von Passauer Stadträten ausgeht.

1. Sachstandsbericht zur Wasserqualität der Ilz

Die Stadtverwaltung wird beauftragt, gemeinsam mit der Stadtwerke Passau GmbH und unter Einbeziehung des Gesundheitsamts Passau sowie weiterer zuständiger Stellen einen öffentlich zu behandelnden Sachstandsbericht zur Wasserqualität der Ilz und zur aktuellen Situation am Halser Stausee zu erstellen. Der Bericht soll insbesondere enthalten:

  • die aktuellen Untersuchungsergebnisse einschließlich der noch ausstehenden Laborbefunde zur Belastung mit Cyanobakterien und Cyanobakterientoxinen;
  • die Entwicklung der verfügbaren Messwerte, Blaualgenwarnungen, Badeverbote und sonstigen Auffälligkeiten während der vergangenen zehn Jahre;
  • vorhandene Daten insbesondere zu Sichttiefe, Wassertemperatur, Sauerstoffgehalt, Nährstoffbelastung, Wasserstand und Wasseraustausch;
  • eine fachliche Einschätzung der möglichen Ursachen und Einflussfaktoren;
  • eine nachvollziehbare Darstellung der jeweiligen Zuständigkeiten und der bislang ergriffenen Maßnahmen.

Ergänzend ist darzustellen, welche Überwachungs-, Warn- und Informationssysteme für die Ilz im Stadtgebiet bestehen und ob insoweit relevante Lücken erkennbar sind.

2. Technischer Bericht der Stadtwerke Passau

Die Stadtverwaltung wird beauftragt, bei der Stadtwerke Passau GmbH einen technischen Bericht über den Betrieb des Wasserkraftwerks und des Stausees Oberilzmühle anzufordern. Darin soll insbesondere dargestellt werden,

  • welche technischen Einrichtungen und betrieblichen Maßnahmen zur Vermeidung oder Verringerung von Algenbildung eingesetzt werden;
  • ob und in welchem Umfang die im Stausee installierten Pumpen zur Eindämmung der Algenbildung derzeit betrieben werden;
  • wie Funktionsfähigkeit, Wartung, Betriebsdauer und Wirksamkeit dieser Anlagen kontrolliert und dokumentiert werden;
  • welchen Einfluss Wasserstand, Wasseraustausch, Durchmischung und sonstige betriebliche Bedingungen auf die Algenentwicklung haben können;
  • ob die derzeit laufenden Arbeiten am Wasserkraftwerk Auswirkungen auf die Wasserführung oder die Durchmischung des Stausees haben können;
  • welche technischen Optimierungen möglich wären und mit welchen Kosten diese voraussichtlich verbunden wären.

3. Runder Tisch „Wasserqualität Ilz, Oberilzmühle und Halser Stausee“

Der Oberbürgermeister wird gebeten, spätestens bis zum 31. Oktober 2026 einen Runden Tisch zur Wasserqualität der Ilz und des Stausees Oberilzmühle einzuberufen. Einbezogen werden sollen insbesondere der Landkreis Passau mit dem Gesundheitsamt, die Gemeinde Salzweg, das Wasserwirtschaftsamt Deggendorf, die Stadtwerke Passau, betroffene Oberliegerkommunen sowie gegebenenfalls weitere fachlich geeignete Akteure.

Ziel ist die Erarbeitung eines abgestimmten Maßnahmen- und Zuständigkeitsplans. Dieser soll insbesondere das Monitoring und die Früherkennung, den Umgang mit Warnungen und Badeverboten, mögliche punktuelle und diffuse Nährstoffeinträge, die Bewirtschaftung des Stausees sowie kurz- und mittelfristig realisierbare Gegenmaßnahmen umfassen.

4. Prüfung der kommunalen Handlungsmöglichkeiten

Die Stadtverwaltung wird beauftragt zu prüfen, welche Maßnahmen die Stadt Passau und ihre Beteiligungsunternehmen im eigenen Verantwortungsbereich ergreifen können, um Nährstoffeinträge und sonstige Belastungen insbesondere der Ilz zu verringern. Zu untersuchen sind insbesondere:

  • kommunale Abwasser- und Regenwassereinleitungen;
  • Mischwasserentlastungen und sonstige Einleitungsstellen;
  • Möglichkeiten einer weitergehenden Rückhaltung oder Behandlung belasteten Niederschlagswassers;
  • die Bewirtschaftung städtischer Flächen und Uferbereiche;
  • Maßnahmen zur Reduzierung von Stickstoff- und Phosphoreinträgen;
  • bestehende Förderprogramme des Freistaats, des Bundes und der Europäischen Union.

Der Bericht soll zwischen kurzfristig umsetzbaren Maßnahmen und längerfristigen Vorhaben unterscheiden sowie Zuständigkeiten, Kosten, Fördermöglichkeiten und die voraussichtliche Wirksamkeit benennen.

5. Verbesserung der öffentlichen Information

Die Stadtverwaltung wird gebeten, gemeinsam mit dem Landkreis Passau, der Gemeinde Salzweg und den Stadtwerken sicherzustellen, dass Warnungen und Badeverbote im Zusammenhang mit Cyanobakterien schnell, einheitlich und leicht auffindbar veröffentlicht werden. Dazu sollen insbesondere gehören:

  • gut sichtbare Hinweise an den maßgeblichen Zugängen zum Gewässer;
  • aktuelle Meldungen auf den Internetseiten und in den digitalen Informationskanälen der beteiligten Stellen;
  • Hinweise auf mögliche Gesundheitsgefahren für Menschen und Tiere;
  • eine unverzügliche Information über Änderungen oder die Aufhebung einer Warnung beziehungsweise eines Badeverbots.

6. Berichterstattung und weiteres Verfahren

Über die aktuelle Lage und die ersten Abstimmungen soll bereits in der nächsten erreichbaren Sitzung berichtet werden. Der vollständige Sachstandsbericht einschließlich eines priorisierten Maßnahmenkatalogs, einer Kostenschätzung und eines realistischen Zeitplans soll dem Ausschuss spätestens bis zum 31. März 2027 vorgelegt werden.

Die Beauftragung externer Gutachten ist mit diesem Antrag noch nicht verbunden. Soweit vorhandene Daten und fachbehördliche Erkenntnisse nicht ausreichen, ist dem zuständigen Gremium zunächst eine gesonderte Vorlage mit Fragestellung, Kosten, Nutzen und Fördermöglichkeiten vorzulegen.

Am 4. August 2026 teilte das Landratsamt Passau mit, dass bei der letzten Beprobung des Stausees Oberilzmühle im Gemeindegebiet Salzweg eine verstärkte Bildung von Cyanobakterien festgestellt worden sei. Vor Ort habe sich bereits eine geschlossene Schicht gebildet, die zu einer erheblichen Einschränkung der Sichttiefe führe. Obwohl die Laborergebnisse noch ausstanden, erwartete das Gesundheitsamt eine hohe Konzentration von Cyanobakterientoxinen und empfahl deshalb bis auf Weiteres ein Badeverbot. Weitere Beprobungen wurden für die kommenden Wochen angekündigt. Es handelt sich damit nicht um ein abstraktes Umweltproblem, sondern um eine aktuelle Gefährdung der Gesundheit und der Sicherheit von Badenden. Am 8. August 2026 hat die Stadt Passau vor Blaualgen in der Ilz gewarnt, konkret bezogen auf den Halser Stausee.

Oberilzmühle und Halser Stausee sind derzeit auch kein isolierter Einzelfall. In der aktuellen Übersicht des Landkreises Passau finden sich für Juli 2026 weitere Blaualgenwarnungen beziehungsweise Badeeinschränkungen für den Dreiburgensee, den Eginger See und den Freudensee. Daraus folgt noch nicht, dass allen Fällen dieselbe Ursache zugrunde liegt. Die Häufung zeigt aber, dass die Problematik in der Region ernst genommen und systematisch untersucht werden muss.

Cyanobakterien gehören grundsätzlich zur natürlichen Lebensgemeinschaft eines Gewässers. Unter bestimmten Bedingungen kann es jedoch zu einer massenhaften Vermehrung kommen. Warme Witterung und ein erhöhtes Nährstoffangebot können solche Entwicklungen begünstigen. Das aktuelle Badeverbot beweist für sich genommen deshalb noch keine über Jahrzehnte fortschreitende Verschlechterung der Wasserqualität. Gerade deswegen werden belastbare Zeitreihen und eine fachliche Ursachenanalyse benötigt. Politische Entscheidungen dürfen weder auf bloßen Erinnerungen noch auf Vermutungen beruhen.

Der Stausee Oberilzmühle liegt zwar außerhalb des Passauer Stadtgebiets in der Gemeinde Salzweg. Die Stadt Passau ist gleichwohl nicht unbeteiligt. Das Wasserkraftwerk wird von der Stadtwerke Passau GmbH betrieben, und der Stausee wird nach Darstellung der Stadtwerke intensiv zum Schwimmen, Stand-up-Paddeln, Angeln und Bootfahren genutzt. Im Zuständigkeitsbereich der Stadt Passau liegt jedenfalls der Halser Stausee.

Die wasserwirtschaftlichen Zuständigkeiten sind auf mehrere Ebenen verteilt. Das Wasserwirtschaftsamt Deggendorf ist sowohl für den Landkreis als auch für die kreisfreie Stadt Passau zuständig; die Ilz zählt in seinem Amtsbereich zu den Gewässern erster Ordnung, für deren Unterhaltung grundsätzlich der Freistaat Bayern verantwortlich ist. Hinzu kommen die Zuständigkeiten des Gesundheitsamts, der Gemeinde Salzweg, der Stadtwerke sowie weiterer Kommunen und Behörden im Einzugsgebiet. Gerade diese Aufteilung darf nicht zu einem Zuständigkeits-Pingpong führen. Wo niemand allein handeln kann, müssen die Beteiligten gemeinsam handeln.

Für Passau als Dreiflüssestadt haben saubere und erlebbare Flüsse eine besondere Bedeutung. Es geht um Gesundheitsschutz, Naherholung, Natur- und Gewässerschutz, Lebensqualität und die touristische Attraktivität der Stadt. Die Stadt kann die Wasserqualität der Ilz nicht allein sichern. Sie kann aber die vorhandenen Daten zusammentragen, über die Stadtwerke eigene Einflussmöglichkeiten prüfen, die zuständigen Stellen an einen Tisch bringen, Verbesserungen der öffentlichen Information anstoßen und gegenüber dem Freistaat auf erforderliche Maßnahmen hinwirken.

Der Antrag verspricht keine einfachen Lösungen und fordert kein kostspieliges Gutachten ins Blaue hinein. Er verlangt zunächst Klarheit über Daten, Ursachen, Zuständigkeiten und vorhandene Handlungsmöglichkeiten. Nichts zu tun, nur weil mehrere Stellen zuständig sind, ist keine überzeugende Antwort.

Sehr geehrter Herr Stadtrat Putzke,

Ihr Antrag vom 23.08.2026 ist eingegangen und wird in einer der nächsten Sitzungen des Ausschusses für Klima und Umwelt behandelt.

Mit freundlichen Grüßen
Andreas Rother, Oberbürgermeister der Stadt Passau (E-Mail vom 8. September 2026)

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