Das Wichtigste in Kürze: Die FDP-Fraktion will die Passauer Hängebrücke (Luitpoldbrücke) dauerhaft erhalten und künftig allein für Fuß- und Radverkehr nutzen. Den gesamten Auto- und Busverkehr soll eine neue, bewusst schlanke Parallelbrücke am Römerplatz aufnehmen. Bevor über einen Abriss entschieden wird, soll die Machbarkeitsstudie um genau diese Variante ergänzt und alle Optionen nach denselben Maßstäben verglichen werden.
Für die angekündigte Beratung der Machbarkeitsstudie zur Zukunft der Luitpoldbrücke am 26. Oktober 2026 stellt die FDP-Fraktion folgenden Änderungs- und Ergänzungsantrag. Soweit einzelne Punkte vom angekündigten Beratungsgegenstand nicht umfasst sein sollten, beantragen wir hilfsweise ihre Behandlung in der nächstmöglichen fristgerechten Sitzung des Stadtrats.
1. Hängebrücke erhalten und vom Kraftfahrzeugverkehr entlasten
Der Stadtrat verfolgt das Ziel, die bestehende Luitpoldbrücke als prägendes Bauwerk des Passauer Stadtbildes dauerhaft zu erhalten. Künftig soll sie ausschließlich dem Fußgänger- und Fahrradverkehr dienen; der gesamte Kraftfahrzeugverkehr einschließlich des Busverkehrs soll über eine neue Parallelbrücke geführt werden. Die erforderlichen straßen- und verkehrsrechtlichen Maßnahmen sind vorzubereiten. Bis zur Bewertung dieser Alternative werden eine endgültige Festlegung auf den Abriss und die Vergabe entsprechender Abbruchleistungen zurückgestellt. Unaufschiebbare Maßnahmen zur Gefahrenabwehr bleiben unberührt.
2. Weitere Nutzung über mehrere Jahrzehnte untersuchen
Die Machbarkeitsuntersuchung ist um eine eigenständige Variante „Erhalt der Hängebrücke ausschließlich für Fuß- und Radverkehr mit dauerhafter Parallelbrücke für Autos und Busse“ zu ergänzen. Für die alte Brücke sind Standsicherheit, Gebrauchstauglichkeit und erreichbare Restnutzungsdauer unter dieser Nutzung zu untersuchen, einschließlich Seilen, Verankerungen, Verbindungen und Korrosionsbereichen sowie der Lastannahmen für Personenansammlungen. Ziel ist eine technisch abgesicherte weitere Nutzung über mehrere Jahrzehnte; Maßnahmen, Kosten und verbleibende Risiken sind konkret zu benennen.
3. Dauerhafte Parallelbrücke am Römerplatz prüfen
Zu untersuchen ist eine von Anfang an dauerhaft ausgelegte, für Autos und reguläre Linienbusse geeignete Brücke westlich neben der Hängebrücke. Der altstadtseitige Anschluss soll im Bereich der erhöhten Grünanlage am Römerplatz liegen. Lage und Höhenführung, Schifffahrtsprofil, Hochwasserabfluss und die Anbindungen an Römerplatz und Anger sind nachzuweisen. Denkmal-, Wasser- und Naturschutzbehörden sowie die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung sind frühzeitig zu beteiligen.
4. Architekturwettbewerb für ein stimmiges Gesamtbild durchführen
Nach positivem Ergebnis der technischen und rechtlichen Vorprüfung sowie gesonderter Bereitstellung der Haushaltsmittel ist ein interdisziplinärer Realisierungswettbewerb mit Architektur und Tragwerksplanung durchzuführen. Verbindliches Ziel ist eine architektonisch minimalistische, schlanke Parallelbrücke, die die erhaltene Luitpoldbrücke optisch ergänzt und mit ihr ein stimmiges Gesamtbild bildet.
5. Alle Varianten nach denselben Maßstäben vergleichen
Dem Stadtrat ist ein nachvollziehbarer Vergleich von Sanierung, Ersatzneubau am bisherigen Standort und der hier beantragten Kombination vorzulegen, auf einheitlicher Preisbasis und für denselben Betrachtungszeitraum, einschließlich Förderfähigkeit, zuwendungsfähiger Kosten und städtischem Eigenanteil je Variante.
6. Unterlagen vorlegen und Finanzierung sichern
Die vollständige Machbarkeitsstudie ist dem Stadtrat vor einer Richtungsentscheidung zur Verfügung zu stellen. Innerhalb von drei Monaten nach Beschlussfassung ist über die Vorprüfung zu berichten und ein Zeit- und Kostenplan vorzulegen. Vorprüfung und Vorlagen erfolgen zunächst im Rahmen vorhandener Mittel; zusätzliche externe Leistungen dürfen erst nach gesonderter Beschlussfassung über Kosten und gesicherte Finanzierung beauftragt werden.
Nach Angaben der Stadt wurden 2017/2018 insgesamt 4,3 Millionen Euro in die Instandsetzung der Hängebrücke investiert, insbesondere in Korrosionsschutz und Fahrbahn. Eine erst vor acht Jahren mit diesem Aufwand sanierte Brücke abzureißen, wäre wirtschaftlich absurd, wenn sie nach gezielten Erhaltungsmaßnahmen noch über Jahrzehnte als Fuß- und Radbrücke genutzt werden kann. Die FDP-Fraktion hält einen Abriss deshalb für nicht vertretbar, solange diese Möglichkeit nicht belastbar untersucht ist.
Die Stadt nennt derzeit rund 31,5 Millionen Euro für die untersuchte Sanierung und 36,2 Millionen Euro für den Ersatzneubau. In beiden Schätzungen sind rund fünf Millionen Euro für eine vorübergehende Fuß- und Radbrücke enthalten. Aus der veröffentlichten Zusammenfassung geht nicht hervor, ob der dauerhafte Erhalt für Fuß- und Radverkehr in Verbindung mit einer eigenständigen Straßenbrücke untersucht wurde. Genau diese zusätzliche Variante gehört auf den Tisch.
Die bekannten Schäden verlangen eine ernsthafte technische Prüfung. Die Haupttragseile wurden 2017/2018 nicht erneuert; insbesondere ihr innerer Zustand lässt sich nur eingeschränkt beurteilen. Eine Sperrung für Autos allein beweist daher keine jahrzehntelange Nutzbarkeit.
Die Hängebrücke gehört mit ihrer unverwechselbaren Gestalt zum Passauer Stadtbild. Ihr Erhalt und eine wieder leistungsfähige Busverbindung sind gemeinsam zu untersuchen. Eine gestalterisch zurückhaltende Parallelbrücke könnte beides ermöglichen.
Quellen: Angaben der Stadt Passau zur Machbarkeitsstudie Luitpoldbrücke (Sanierung rund 31,5 Mio. Euro, Ersatzneubau rund 36,2 Mio. Euro, Instandsetzung 2017/2018 rund 4,3 Mio. Euro, in Aussicht gestellte Förderung 50 bis 90 Prozent); Beratung im Stadtrat am 26. Oktober 2026.
Mehr zum Thema: Ist die neue Hängebrücke schon beschlussreif? (Bericht in der PNP)
Der vollständige Antrag mit allen Begründungen und Fragen steht oben als PDF zum Download bereit.

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