Ein zentraler Ansprechpartner für die Wirtschaft ist in der kommunalen Praxis Standard und kein Sonderweg. Das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) hat früh dokumentiert, dass zentrale Anlaufstellen in vielen Städten bestehen und in der Regel nicht nur Gründungen, sondern sämtliche Unternehmensbelange aus einer Hand betreuen; mit der EU-Dienstleistungsrichtlinie hat das Thema zusätzlich an Bedeutung gewonnen. Kommunen wie Hannover oder Rödermark verstehen ihre Wirtschaftsförderung ausdrücklich als „Lotse“ bzw. „Behördenlotse“ und organisieren den Service als One-Stop-Agency aus einer Hand. Rechtlich ist mit dem Einheitlichen Ansprechpartner nach der EU-Dienstleistungsrichtlinie (umgesetzt in den §§ 71a ff. Verwaltungsverfahrensgesetz) bereits ein Rahmen vorhanden, an den eine Passauer Lotsenstelle andocken kann.
Der Mehrwert ist messbar: kürzere Wege, verbindliche Rückmeldungen und eine feste Kontaktperson senken den Aufwand für Unternehmen, verkürzen Genehmigungs- und Ansiedlungsprozesse und stärken die Standortbindung bestehender Betriebe. Gerade weil die Stadt ihre Wirtschaftsförderung organisatorisch neu aufstellt, ist jetzt der richtige Zeitpunkt, das Service- und Lotsenprinzip verbindlich und überprüfbar zu verankern, statt es dem Zufall einzelner Zuständigkeiten zu überlassen.
Der zweite Baustein, das Fördermittelmanagement, ist finanzpolitisch besonders naheliegend. Bundesweit bleiben erhebliche Fördersummen ungenutzt, weil Kommunen die Programme personell nicht durchdringen; exemplarisch wurden Bundesmittel für kommunale Investitionen in Milliardenhöhe zeitweise nur etwa zur Hälfte abgerufen. Beratungshäuser weisen darauf hin, dass die Wahrscheinlichkeit, Fördergeld zu erhalten, durch ein professionelles Fördermittelmanagement deutlich steigt. Studien des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung zeigen zudem, dass auch finanzschwache Kommunen mit gebündeltem Förder-Know-how vergleichbar gute Chancen auf Mittel haben.
Dass dies haushaltsschonend gelingt, belegen konkrete Vorbilder. Die Stadt Friedberg (Hessen) richtete ihr Fördermittelmanagement als zentrale Dienstleistungseinheit im Fachbereich Finanzen ein und startete mit einer halben Stelle; durch die anteilige Tätigkeit für die städtischen Eigenbetriebe refinanzieren diese rund 40 Prozent der Kosten, sodass der Kernhaushalt nur einen Bruchteil trägt – mit ausdrücklicher Option einer späteren interkommunalen Lösung. Die Entwicklungsagentur Region Heide betreibt gemeinsam mit Rendsburg seit 2016 eine interkommunale Fördermittel-Beratungsstelle und hat darüber rund 33 Millionen Euro eingeworben. Landesseitig unterstützt etwa Nordrhein-Westfalen seine Kommunen mit einer eigenen Plattform für das Fördermittelmanagement; der Bund stellt mit dem Praxisinstrument „zentrales Fördermittelmanagement“ Umsetzungshilfen bereit.
Beide Bausteine zahlen unmittelbar auf eine handlungsfähige, sparsame Verwaltung und einen wettbewerbsfähigen Wirtschaftsstandort ein. Sie sind organisatorisch schlank, an erprobten Modellen orientiert und so ausgestaltet, dass die Stadt zusätzliche Mittel erschließt, statt vor Ort kürzen zu müssen.